Dorf und Region

Geschichte

Archäologische Funde lassen darauf schließen, dass bereits in der Bronzezeit Menschen auf dem Gebiet des heutigen Brodowin lebten. Erstmals urkundlich erwähnt wurde „Brodewin“ im Jahre 1258. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um eine Siedlung auf der Insel Gotteswerder im Brodowinsee. Die brandenburgischen Markgrafen schenkten „Brodewin“ dem Zisterzienserkloster Lehnin mit der Auflage, ein neues Kloster mit dem Namen "Mariensee" auf dem Pehlitzwerder im Parsteiner See zu bauen. Dieses Kloster wurde jedoch nie fertig gestellt. 1273 brach der Orden den Bau ab und wählte einen Platz weiter westlich, in "Koryn". Das Kloster Chorin zieht als herausragendes Bauwerk der Backsteingotik noch heute Besucher aus aller Welt an. Auf dem Pehlitzwerder blieben die gewaltigen Feldstein-Fundamente des aufgegebenen Klosters "Mariensee" zurück.



Das heutige Dorf Brodowin wurde von niederländischen und deutschen Bauern gegründet, die die Askanier (ein schwäbisch-fränkisches Fürstengeschlecht) in die dünn besiedelte Uckermark geholt hatten. Brodowin gehörte 1335 zum Grundbesitz des Klosters Chorin. 1542 wurde das Kloster säkularisiert, in den Besitz zog der Kurfürst ein. 1557 lebten in Brodowin ein Lehnschulze, ein Pfarrer, zehn Vollbauern und 19 Kleinbauern, darunter sieben Töpfer. Im 17. Jahrhundert entvölkerten der 30-jährige Krieg und die Pest Brodowin fast vollständig. Aufwärts ging es erst wieder, als sich gegen 1691  Hugenotten, protestantische Flüchtlinge aus Frankreich, im verwüsteten Brodowin niederließen. 

Im August 1848 wurde Brodowin von einer vernichtenden Feuersbrunst heimgesucht. Zahlreiche Bauernhöfe und die Kirche auf dem Dorfanger wurden zerstört. König Friedrich Wilhelm IV. stiftete daraufhin einen Kirchenneubau, mit dem er den renommierten Baumeister Friedrich August Stüler betraute. So kam das kleine Brodowin 1853 zu seinem weithin sichtbaren Wahrzeichen, der neugotischen Backsteinkirche auf dem Dorfanger. In dieser Zeit entstanden auch zahlreiche noch heute vorhandene "Dreiseitenhöfe". Einige Bauern, die vor dem Brand auf dem Anger gewohnt hatten, ließen sich im neugegründeten Brodowiner Ortsteil Ziegenberg nieder.

Im Jahr 1907 wurde auf Betreiben des Leiters der Försterei Chorin, Max Kienitz, das erste Naturschutzgebiet Brandenburgs, das Plagefenn, in Brodowin gegründet. Eine Fläche mit einer Größe von rd. 178 Hektar, bestehend aus Moor, Wald und See wurde unter Schutz gestellt.

Die „geheime“ Bekenntnissynode der Bekennenden Kirche der Mark Brandenburg, am 10.11.1937 in der Kirche zu Brodowin, ist als Zeichen des Widerstands von Christen gegen den Nationalsozialismus zu würdigen. Die Bekennende Kirche (BK) war eine Oppositionsbewegung evangelischer Christen gegen die Gleichschaltung von Lehre und Organisation der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK) mit dem Nationalsozialismus. Die Bekennende Kirche reagierte auf die Versuche der Gleichschaltung zuerst mit einer Abgrenzung ihrer Lehre, Organisation und Ausbildung, später auch mit politischen Protesten. Seit Dezember 1935 war die Arbeit der Bekennenden Kirche verboten, konnte aber im Geheimen fortgesetzt werden. Nun versuchte der Staat, die bekennende Kirche durch Gesetze und Verordnungen zu unterdrücken. Zuwiderhandlungen wurden hart bestraft. Über die schwierige Lage beriet die Bekenntnissynode der Kirchenprovinz Mark Brandenburg und Grenzmark geheim am 10. November 1937 in Brodowin. Vor der Synode in Brodowin fanden Bekenntnis-Kreissynoden statt. Um von der Gestapo nicht entdeckt zu werden, fand die Synode in der abgelegenen Kirche in Brodowin statt. Die Geheimhaltung könnte der Grund dafür sein, dass es heute über ihre Einberufung, Tagesordnung, Teilnehmer, Referenten und Berichte keine Unterlagen mehr gibt. Sie könnten aber auch im Krieg vernichtet worden sein. Lediglich die vier Beschlüsse liegen noch vor: 1. Weiterer Aufbau der Bekennenden Gemeinden, 2. Kollektenfrage, 3. Wort an die Jugend, 4. Schreiben an den Evangelischen Oberkirchenrat und Konsistorium. Am 17. 11. 2007 wurde in der Kirche in Brodowin feierlich der Ereignisse von 1937 gedacht und eine Gedenktafel enthüllt.

Nach dem zweiten Weltkrieg fanden Flüchtlingsfamilien eine neue Heimat in Brodowin, diesmal kamen sie von Osten. Wie überall in der sowjetischen Besatzungszone zogen sie in die neuerrichteten "Neubauernhäuser" ein. Einstöckige Gebäude, in denen sowohl die Bauern lebten, als auch das Vieh untergebracht war. Heu und Stroh lagerten unter dem Dach. Die Neubauern wirtschafteten auf Feldern die während der Bodenreform neu verteilt worden waren. Auf politisches Drängen hin schlossen sich 1955 einzelne Brodowiner Altbauern mit Neubauern zwecks gemeinsamer Produktion zusammen. Später erfolgte dann die Gründung der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) Brodowin.

In der DDR machte sich Brodowin vor allem mit dem „Brodowiner Kirchensommer“ einen Namen. Der evangelische Pfarrer Eberhard Rau organisierte seit 1981 an mehreren Sommerwochenenden musikalische Abende, Vorträge, Diskussionen und Kleinkunstdarbietungen.

Sein Nachfolger, Pfarrer Andreas Lorenz, führt diese Tradition noch heute fort.

 Auf Initiative des Schriftstellers Raimar Gilsenbach kamen seit 1980 Künstler, Wissenschaftler sowie ökologisch und kulturell Interessierte zu den "Brodowiner Gesprächen" ins Dorf. 1990 ging daraus der Verein Ökodorf Brodowin e.V. hervor. Der Verein organisiert Vorträge und Diskussionen, naturkundlich geführte Wanderungen und Artenschutzmaßnahmen und betreut ökologisch wertvolle Kleingewässer.